Goodbye, WhatsApp!

WhatsApp

Was ist geschehen?

WhatsApp hat seine Nutzungsbedingungen geändert. Besonders ärgerlich sind

  • die Weitergabe von Daten an Facebook
  • die Weitergabe von Daten an Dritte
  • die Analyse der Daten und
  • die Verarbeitung der Daten.

Diese Änderungen sind datenschutztechnisch inakzeptabel.

Historie

  • Als WhatsApp von Facebook gekauft wurde, wollte Facebook Zugriff auf alle Daten erlangen. Nach vielen Protesten gab Facebook nach und versprach, niemals auf die Daten von WhatsApp zugreifen zu wollen.
  • Zwischendurch wurde berichtet, daß WhatsApp sich darauf vorbereite, Werbung einzublenden und Shopping zu ermöglichen.
  • Im Januar 2021 hat WhatsApp nun neue Nutzungsbedingungen vorgelegt. Demnach wäre die Nutzung ab Anfang Februar nur noch für Nutzer möglich, die den Bedingungen zugestimmt haben. Nachdem ein mittelmäßiger Aufschrei erfolgte, wurde die Frist auf Anfang Mai verlängert.

Häufig gestellte Fragen

In Europa gilt die DSGVO, damit bin ich doch vor den Bedingungen geschützt?

Die Aussage ist so erst einmal korrekt. Der Punkt ist nur, daß Du in jedem Fall den Bedingungen bereits zugestimmt hast. Sollte es also zu einem Verstoß gegen die DSGVO kommen, wäre dieser zwar strafbar, aber der Nutzer hätte dem Mißbrauch dennoch zugestimmt. Es gilt, keine Paranoia zu schieben, aber die Wahrscheinlichkeit, daß sich Facebook aus Versehen über die DSGVO hinwegsetzt und den angekündigten Datenmißbrauch in die Tat umsetzt, ist leider nicht von der Hand zu weisen.

Warum soll ich jetzt wechseln? Die Änderungen treten doch erst Anfang Mai in Kraft?

Das ist korrekt, aber die Änderungen werden in Kraft treten. Da das Elend bereits absehbar ist, sollte man eher früher als später handeln.

Ich habe so viele Kontakte bei WhatsApp, warum muß ich die App löschen?

Du mußt die App nicht löschen, Du mußt Dir aber im klaren darüber sein, was mit Deinen Daten geschieht. Es sind schon sehr viele Leute zu anderen Messengern gewechselt oder haben sich zumindest einen zweiten oder dritten Messenger installiert. Daher solltest Du ebenfalls einen oder mehrere weitere sichere Messenger installieren, Deine Kontakte informieren und sie dazu bewegen, zu einem anderen Messenger zu wechseln. Sobald genügend Kontakte zu einem sicheren Messenger gewechselt sind, kannst Du WhatsApp immer noch deinstallieren.

Ich habe gar kein Facebook-Konto, da bin ich auf der sicheren Seite, oder?

Leider nicht. Facebook legt auch Profile für Benutzer an, die kein Facebook-Konto haben. Wenn Du nicht möchtest, daß Deine Daten von Facebook und Dritten verarbeitet und analysiert werden, solltest Du Dein Konto bei Instagram, WhatsApp und Facebook löschen. Eine Deaktivierung reicht leider nicht aus.

Das Internet weiß doch sowieso schon alles über mich, wieso soll ich in diesem Fall aktiv werden?

Es gibt Anbieter, die schon viel über Dich wissen: Google, Apple, Facebook, Amazon und sicherlich auch noch andere. Du bestimmst den Umfang der Daten, die Du mit den Anbietern teilst. Das oberste Prinzip heißt Datensparsamkeit: Frag Dich, welche Informationen ein Anbieter zwingend von Dir benötigt und gib nur diese Informationen preis. Kurz gesagt: Das Internet weiß nicht bereits alles über Dich, und Du solltest jedes Mal aktiv werden.

Die anderen sind doch auch nicht besser, wieso soll ich mir noch eine App installieren?

Es gibt Messenger, die besser sind und der Aufwand, eine weitere App zu installieren ist überschaubar. Wenn Du Dir erstmal durchgelesen hast, welche Sicherheitsvorkehrungen die anderen Anbieter treffen, um ihre Benutzer vor Angriffen und Datenmißbrauch zu schützen, wirst Du Dich selbst überzeugen können.

Die Nachrichten werden verschlüsselt übertragen, welche Daten wollen sie denn übertragen?

Abgesehen von den Nachrichten, die Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, hat WhatsApp Zugriff auf die Metadaten. Dazu gehören

  • Nachrichtenverlauf (Wer hat wann mit wem geschrieben? Wer ist Mitglied in welcher Gruppe?)
  • Kontaktdaten (Name, Rufnummer)
  • Positionsdaten (GPS) und
  • Statusbilder

Alternativen

Es gibt Messenger, die als sicher gelten; sicherer als WhatsApp sind sie alle. Wir werden hier keine vollständige Analyse der Wettbewerber durchführen, da dies den Rahmen dieses Artikels sprengte. Du findest im Internet jedoch jede Menge Artikel, die sich mit den technischen, organisatorischen und sonstigen Unterschieden der verschiedenen Messenger beschäftigen. In der Folge werden wir nur ein paar der wesentlichen Merkmale aufführen.

Threema

Threema Threema wird von einem Unternehmen aus der Schweiz entwickelt und angeboten. Die App ist kostenpflichtig, bietet aber ein sehr hohes Schutzniveau. Die App ist besonders bei Benutzern beliebt, denen Sicherheit und Datenschutz sehr wichtig sind.

Vorteil Nachteil
- Hohes Datenschutzniveau - Kostenpflichtig
- Anbieter in einem datenschutztechnisch sicheren Drittstaat - Teilweise gewöhnungsbedürftig
- Anonymes Benutzerkonto möglich

Signal

Signal Signal sieht WhatsApp sehr ähnlich, weswegen sie bei Umsteigern sehr beliebt ist. Signal wird zudem sehr gerne im Bildungsbereich und bei Non-Profit-Organisationen genutzt.

Vorteil Nachteil
- Hohes Datenschutzniveau - Anbieter in einem Land, in dem nicht die DSGVO gilt
- Leichter Einstieg - Telephonnummer als Identifikationsmerkmal nötig

Telegram

Telegram Telegram ist bereits seit einer Weile sehr populär, da es unter anderem sehr starke Funktionen für Gruppen-Chats hat. Telegram war auch einer der ersten Messenger, die Sets von Stickern angeboten haben.

Vorteil Nachteil
- Gutes Datenschutzniveau - Anbieter in einem Land, in dem nicht die DSGVO gilt
- Starke Gruppenfunktionalität - Unklare Eigentumsverhältnisse
- Anonyme Benutzerkonten - Unklare Entwicklung und Strategie
- Alle Nachrichten werden auf den Servern von Telegram gespeichert
- Alle Nachrichten in Gruppen werden immer unverschlüsselt übertragen. Nur der "Sichere Chat" ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und nicht die Standardeinstellung.

Aus Gründen der Sicherheit und des Datenschutzes können wir Telegram nicht uneingeschränkt empfehlen.

Wire

Wire Wire ist sehr sicher und transparent aber wenig verbreitet, und die App ist etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn Du experimentierfreudig sein solltest, solltest Du unbedingt auch Wire ausprobieren.

Vorteil Nachteil
- Gutes Datenschutzniveau - Geringe Verbreitung
- Hohe Transparenz - Gewöhnungsbedürftig

Und nun?

Wenn Du zwingend Statusmeldungen an Deine Freunde verschicken mußt, bleibt Dir nichts übrig, außer WhatsApp weiter zu nutzen. Spaß bei Seite: Es gibt ein Leben ohne WhatsApp. Es liegt an Dir, den ersten Schritt zu machen und einen weiteren Messenger zu installieren. In der Folge kannst Du alle Deine Kontakte darauf hinweisen, daß die Nutzung von WhatsApp gegen die DSGVO verstößt, und sie zur Nutzung eines anderen Messengers überreden. Mit der Zeit kannst Du so zusammen mit Deinen Kontakten die Nutzung von WhatsApp ausschleichen.

Nach einer Weile wirst Du hoffentlich feststellen, daß nur noch wenige Kontakte ausschließlich bei WhatsApp sind. Dies ist dann der Zeitpunkt, ernsthaft darüber nachzudenken, Dein WhatsApp-Konto endgültig zu löschen. Sofern es Dir möglich sein sollte, wäre die Löschung des Facebook- und Instagram-Kontos der konsequente nächste Schritt.

Für die Aktion kannst Du den Hashtag #FCKZCK ("Fuck Zuckerberg") benutzen. :)